Vernehmlassung zum Beitritt der Schweiz zur UNO

Evangelisch-methodistische Kirche (EMK), Ausschuss für Soziale Fragen
Seuzach, 05.10.2000, für den Ausschuss: Thomas Bolleter

Vorbemerkung
Einige der im erläuternden Bericht erwähnten Punkte erscheinen uns zentral:

  • Die UNO ist zweifellos die wichtigste weltumspannende Organisation. Sie wird dank der Mitgliedschaft aller Länder – praktisch ohne Ausnahmen – legitimiert.

  • Sie dient in erster Linie der Stabilitäts- und Friedenssicherung, indem sie Forum ist für alle Länder.

  • Weitere wichtige Funktionen betreffen die sozialen Angelegenheiten, die Entwicklung und die humanitäre Hilfe.

  • Immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken die Menschenrechte, deren universaler Anspruch immer deutlicher erkennbar wird.

Die UNO und ihre Unterorganisationen sowie den Internationalen Gerichtshof erachten wir als oft noch unzulängliche, aber zur Zeit am besten geeignete Einrichtungen, den Völkern bei der Verwirklichung von Recht und Gerechtigkeit zu helfen (Soziale Grundsätze 6.4 der EMK). Zur Lösung vieler supranationaler Probleme sind die UNO-Organisationen unerlässlich.

Nur schon aus Gründen der maximalen Legitimierung der UNO darf kein Staat abseits stehen.
Allerdings sind diese Argumente mehr oder weniger von der EMK unabhängig.
Daher sollen hier die für die EMK maßgebenden Gründe für einen UNO-Beitritt der Schweiz vertieft betrachtet werden.

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Ziele und Werte der UNO und EMK
In den Werten, Grundsätzen und Zielen der UNO und der Evangelisch-methodistischen Kirche herrscht eine bemerkenswerte Übereinstimmung. Vergleicht man die Sozialen Grundsätze der EMK (SG) und die UNO-Charta sowie andere Dokumente zur UNO, so wird dies offensichtlich:

  • Frieden und Sicherheit: Krieg ist mit der Lehre und dem Beispiel Christi unvereinbar. Daher kann Krieg kein Instrument der Politik sein. (SG 6.3)

  • Grundrechte des Menschen: «Vor Gott haben alle Menschen den gleichen Wert. Deshalb arbeiten wir auf eine Gesellschaft hin, in welcher der Wert jedes Menschen anerkannt, gewahrt und gestärkt wird. Wir unterstützen das Grundrecht aller Menschen auf Zugang zu angemessener Unterkunft, Erziehung, Arbeit, Gesundheitsfürsorge und Rechtsbeistand sowie Schutz vor Gewalt.» (SG 3.0) (SG 5)

  • Gleichberechtigung von Mann und Frau: Vor Gott haben Männer und Frauen den gleichen Wert. «Wir sehen in der Verschiedenheit der Geschlechter ein Geschenk Gottes, das zur Vielfalt menschlicher Erfahrungen und Perspektiven beitragen soll.» (SG 2.6)

  • Gerechtigkeit: «Bei aller Anerkennung der Unterschiede von Kulturen, Nationalitäten und Weltanschauungen treten wir für Gerechtigkeit und Frieden in jedem Land ein.» (SG 6.1), (SG 1.0)

  • Sozialer Fortschritt: «In der Gemeinschaft kann sich der Mensch voll entfalten, denn er ist auf Gemeinschaft angelegt. Es gehört daher zu unseren Aufgaben, neue Formen von Gemeinschaft zu entdecken, zu fördern und weiterzuentwickeln, die der persönlichen Entfaltung dienen.» (SG 2.0)

  • besserer Lebensstandard in größerer Freiheit/Entwicklung und humanitäre Hilfe: «Wir sehen, dass Veränderungen des privaten und des öffentlichen Lebens neue Bemühungen um eine gerechtere Welt und eine bessere Lebensqualität für die ganze Schöpfung erforderlich machen,...» (SG 1.0)

  • Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen: Die Menschheit ist verantwortlich für den Gebrauch bzw. Missbrauch der Gott gehörenden Schöpfung (SG 1.0).

Außerdem dürfen wir darauf hinweisen, dass die EMK eine weltweite Kirche mit weltweiten Strukturen ist und damit verbunden ein großes Interesse am Geschick der ganzen Welt hat und haben muss – was sich zweifellos mit der UNO deckt.

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Kosten
Aus unserer Sicht sind die Kosten kein Argument. Die Aufwendungen sollten als Zeichen der Solidarität eines reichen Landes mit ärmeren Ländern auf der ganzen Welt verstanden werden. Daher können die Kosten kaum zu hoch sein.

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Neutralität
Neutralität ist eine Ausrede, nirgends Verantwortung zu übernehmen. Die EMK steht dafür ein, dass die Schweiz Stellung bezieht gegenüber Stärkeren und Verantwortung übernimmt gegenüber finanziell und machtpolitisch Schwächeren. Dies soll sich nicht nur auf Länder beziehen, sondern auch auf private Unternehmen, die zum Teil mehr Einfluss haben als einzelne Länder.
Grundsätzlich bedeutet dies für uns, dass der klassische Begriff der Neutralität – als Nicht-Einmischung in Angelegenheiten anderer und gleichzeitiges Abkassieren von allen Seiten verstanden – ausgedient hat. Neutralität in diesem Sinn darf es nicht mehr geben. Vielmehr kann die Schweiz als Mitgliedland der UNO eine neue Art der Neutralität einbringen: Eine Neutralität im Rahmen der UNO, auch als Gegengewicht zu den Mächtigen in der UNO.

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Mitgliedschaft als Verpflichtung
Wir sehen die Mitgliedschaft der Schweiz zur UNO analog einer Mitgliedschaft eines Christen in der EMK. Man muss zwar nicht unbedingt Mitglied sein, um ein richtiger, guter Christ zu sein und sein Christsein auszuüben, aber man verpflichtet sich nicht nur sich selber gegenüber, sondern auch den anderen Mitgliedern gegenüber für die Kirche einzustehen, gewisse Werte zu vertreten und – auch vor den anderen – ein Leben zu führen wie es einem Christen gebührt. Mit dem Eingehen dieser Verpflichtung tritt das Mitglied in ein Vertrauensverhältnis ein, das auch eine Rechenschaftspflicht gegenüber den anderen und der anderen gegenüber dem Mitglied beinhaltet.
Analog beurteilen wir das Verhältnis der Schweiz zur UNO: Als notorisches Nicht-Mitglied würden die Schweiz zeigen, dass sie nicht bereit ist – trotz aller gegenteiliger Beteuerungen –, ein sozialer Teil der Weltgemeinschaft zu sein, Pflichten einzugehen und zur Rechenschaft gezogen werden zu können.
Dies ist als Zustand unhaltbar.

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Fazit:
Die weltweite EMK fordert die Aufnahme aller Staaten in die Vereinten Nationen, die die Mitgliedschaft wünschen und die entsprechende Verantwortung übernehmen. (SG 6.4) Das gilt auch für die Mitgliedschaft der Schweiz.
Aus diesen oben genannten Gründen wird der Ausschuss für Soziale Fragen einem Beitritt der Schweiz zur UNO beistimmen und unter den Gliedern der Evangelisch-methodistischen Kirche ebenfalls für den Beitritt einstehen und werben.

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