Bericht der Kommission für theologische und kirchliche Fragen an die Tagung der Jährlichen Konferenz 2003 vom 11. bis 15. Juni 2003 in Winterthur
Teilbericht des KA24/Ausschuss für Soziale Fragen

USA-Irak-Konflikt

Weltweit sind bis heute Kriegshandlungen nie zum Erliegen gekommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dies je einmal ändern könnte, sind gering. Tragisch, wenn dann von einer christlich geprägten Grossmacht, wie es die USA sein will, ein neuer Krieg angestrengt wird. Tragisch, wenn im Irak ein Diktator mit seiner Gewalt- und Willkürherrschaft sein eigenes Volk in höchste Gefahr bringt. Missachtungen fundamentaler Menschenrechte sind schon jetzt bei beiden Konfliktparteien zu beklagen.
Weltweit haben verschiedene Organisationen der Evangelisch-methodistischen Kirche sich gegen einen Krieg im Irak ausgesprochen. Als KA24 unterstützen wir alle diese Verlautbarungen und stehen auch hinter allen weiteren Anstrengungen, einen neuen Krieg zu verhindern. Wir ermutigen alle Methodisten, sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für eine friedliche Lösung dieses und weiterer kriegerischer Konflikte einzusetzen. Das kann durch Gebet, Resolutionen, Briefe, finanzielle Hilfe und auch durch die aktive Beteiligung an Antikriegsdemonstrationen geschehen.
Jeder Krieg führt zu Flüchtlingsströmen. Ob wir es in der Schweiz und in Frankreich schaffen, die Menschen die ihre Heimat verloren haben so anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat? Die verschiedene Verlautbarungen zum USA-Irak-Konflikt finden Sie auf der Homepage des KA24.

Asylrecht

Im Halbjahresrhythmus werden in der Schweiz neue Regelungen eingeführt, welche den Zustrom von Fremden besser regulieren sollten. Die letzte, äusserst knapp ausgegangene schweizerische Asylrechtsabstimmung hat bereits wieder zu einer weiteren Verschärfung in der Asylpraxis geführt. Auf der anderen Seite verlangt die Wirtschaft ein liberaleres Ausländer- und Arbeitsrecht.
Dass Völker sich von Menschen aus anderen Nationen abgrenzen, ist verständlich und nachvollziehbar. Als Christen aber sind wir Christus verpflichtet. Als Christen glauben wir an einen Gott, der selbst ein Fremder war in dieser Welt. Wie sähe unsere Politik aus, wenn wir in den Menschen, die zu uns kommen, Christus sehen könnten. Als KA24 bleiben wir in dieser Frage am Ball.

Sans Papiers

Im vergangenen Jahr besuchte Roswitha Ebner-Golder von der lateinamerikanischen EMK-Gemeinde in Genf eine kirchliche Tagung, an der über die Situation der Sans Papiers in der Schweiz diskutiert wurde. Was es bedeutet, in der Schweiz ohne offizielles Aufenthaltsrecht zu leben, wird in einem Weihnachtsbrief von Sans Papiers an die Schweizer Bevölkerung deutlich. In der Deutschschweiz wird diese Gruppe von Menschen noch weitgehend ignoriert. Die Sensibilität für die geschätzten 70'000 Rechtslosen in der Schweiz ist im Welschland viel grösser. Einige der Sans Papiers gehören zu unseren evangelisch-methodistischen Geschwistern, besuchen unsere Gottesdienste, arbeiten für Menschen aus unseren Reihen. Wir halten es für an der Zeit, diesen Menschen ein Leben in Würde zu ermöglichen. Das kann nur durch eine politische Handhabung geschehen, die weiter geht als die bisherige Härtefallregelung (Rundschreiben Metzler).

Häusliche Gewalt (Dekade zur Überwindung von Gewalt)

Im Rahmen der Schweizerischen Verbrechensprävention wird in diesem Jahr in allen Kantonen das Thema "Häusliche Gewalt" thematisiert. Nebst Behörden und ausführenden Organen wurden auch die Kirchen als Partnerorganisationen angefragt. Im SEK wird speziell für diesen Bereich Material erstellt. Der KA24 unterstützen diese Kampagne. Sie passt zu einer persönlichen Beobachtung. Ich war noch in keiner EMK-Gemeinde tätig, in der nicht einige Menschen Gewalt durch ihre nächsten Beziehungspersonen erlebten oder an ihnen ausübten. Wir bitten alle Gemeindebezirke, in ihren Anlässen das Thema der häuslichen Gewalt zu thematisieren.

Ökologie

Ökologische Themen sind kaum noch Tagesthema. Für Christen aber bleibt die Erde, und alles, was auf ihr lebt, Gottes Eigentum. Zu unseren Aufgaben gehört es, verantwortlich mit dem uns anvertrauten Lebensraum umzugehen. Ökologie sollte mindestens einmal jährlich in unseren Gemeinden thematisiert werden. Aus diesem Grund wollen wir bis zum Herbst Unterlagen der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt – OeKU in die Gemeinden tragen und mit eigenen Anregungen ergänzen.

Soziale Grundsätze

1908 hat die Bischöfliche Methodistenkirche als erste Kirche ein "Soziales Bekenntnis" angenommen. Aus diesem Anlass sollen ab der Generalkonferenz 2004 bis zur Generalkonferenz 2008 die Sozialen Grundsätze der EMK im Zentrum des kirchlichen Nachdenkens auf der ganzen Welt stehen.
Die Sozialen Grundsätze in der Version 2000/2002 sind seit 2002 online in deutscher Sprache im Internet abrufbar (http://www.umc-europe.org/sozialefragen/direkt/fr-sozgr2000d.htm).
Vom 19. bis 21. September 2002 fand in Liblin (Tschechien) unter der Leitung von Bischof Heinrich Bolleter eine internationale Konsultation zu den Sozialen Grundsätzen statt. Die Ergebnisse der Tagung lauten zusammengefasst:
1. Das General Board of Church and Society (GBCS) ist verantwortlich für die weltweite Verbreitung der Sozialen Grundsätze.
2. Das Soziale Bekenntnis soll zur Grundlage der Sozialen Grundsätze werden. Sprachlich soll es dem liturgischen Gebrauch angepasst werden.
3. Die Sozialen Grundsätze sollen Grundsätze und nicht Miniresolutionen sein.
4. Den Grundsätzen soll ein national angepasstes Begleitpapier beigelegt werden, welches die Prioritäten des Jahrvierts definiert und erläutert.
5. In der Erprobungsphase sollen in verschiedenen Ländern Seminare zum Verständnis und zur Umsetzung der Sozialen Grundsätze stattfinden.
6. Die Sozialen Grundsätze werden in jede Sprache übersetzt, die in EMK-Gottesdiensten verwendet wird, sowie Online verfügbar gemacht.

Patientenverfügung

Wir erinnern an ein Informationsschreiben der KIM aus dem Jahr 2001, in der das Human-Dokument von "Dialog Ethik" als Patientenverfügung empfohlen wird. Nach nun zwei Jahren der Praxis können wir diese Empfehlung nur unterstützen. Informationen zum Human-Dokument finden Sie auf unserer Webseite.

Namensänderung

Der "KA24 Soziale Fragen" ist eine lokale EMK-Organisation, welche sich im Auftrag der Kirche den Fragen rund um Kirche und Gesellschaft annimmt. Diesem weiten Spektrum der Arbeit wird die Bezeichnung "Soziale Fragen" nur annäherungsweise Gerecht. Sowohl auf Weltebene wie auch in der Zentralkonferenz lauten die entsprechenden Organisationen "General Board of Church and Society" bzw. "Arbeitsgruppe Kirche und Gesellschaft". Auf diesem Hintergrund stellen wir den Antrag auf Namensänderung:

Antrag: Der Name "Konferenzausschuss 24 Soziale Fragen" soll geändert werden zu "Konferenzausschuss 24 Kirche und Gesellschaft".

Zusammensetzung des KA24

Seit diesem Jahr arbeiten neu Barbara Schär (Basel) und Markus Da Rugna (Gelterkinden) im KA24 mit. Die Themen, die wir bearbeiten, sind selten unumstritten. Das hat zur Folge, dass unser Ausschuss von den einen geschätzt und von den andern in Frage gestellt wird. Auf jeden Fall möchten wir zum Denken anregen, und wenn immer möglich zu verantwortlichem Handeln ermutigen. Wiederholt wurde die Zusammensetzung des KA24 angefragt. Wir möchten transparent auftreten. Darum finden Sie auf unserer Homepage ab sofort detaillierte Informationen zu den Personen, die im KA24 mitarbeiten.

Weitere Hinweise

... zu den Themen des Berichts:

Webseite der Tagung der Jährlichen Konferenz 2003 in Winterthur