2. Kommission für
theologische und kirchliche Fragen
KA 24 / Kirche und
Gesellschaft (Jörg Niederer) – http://kug.umc-europe.org
1. Information
Werte und Toleranz
An der PfarrerInnentagung im Herbst 2004 haben wir
erstmals die Arbeitshilfe "Toleranz" abgegeben. In der Zwischenzeit wurde
sie erneut überarbeitet. Enthalten sind Beiträge von Jörg Niederer (Toleranz ist
ein Wert), der DistriktsvorsteherInnen (Essentials und opinions) von Markus Da
Rugna (Toleranz – grundlegend) und Christa Wichers (Wie können wir als
Christinnen und Christen Werte diskutieren). Als Diskussionsbasis für
Kleingruppen und Gesprächskreise eignen sich auch die Thesen für einen
toleranten Lebensstil. Die Arbeitshilfe kann unter
http://kug.umc-europe.org heruntergeladen werden.
Toleranz und Werte sind immer wieder ein (Streit-)Thema im Umgang mit
islamischen Kulturen. Eine bemerkenswerte Erklärung dazu wurde durch das
Exekutivkomitee des Weltrates Methodistischer Kirchen im September 2004 in
Südafrika herausgegeben. In deutscher Sprache liegt es unter der Überschrift "Das
methodistisch-wesleyanische Zeugnis in christlichen und islamischen Kulturen"
vor und kann unter
http://www.emkweltmission.de/aktuelles/worldmethodistcouncil.htm
bezogen werden.
Dekade zur Überwindung von Gewalt
Die vom KA24 angeregte und teilweise vorbereitete
Arbeitshilfe für die "Takanostufe IV – Glaubens- und Lebensfragen" zum Thema
"Gewalt" ist im Herbst 2004 herausgekommen unter dem Titel "Gewalt & gewaltig
– Macht ohnmächtig". Sie kann in der
Takano Fachstelle in
Olten bezogen werden.
Bankgeheimnis und Steuerhinterziehung
Auf Antrag von Martin Roth an der JK 2004 haben
wir uns mit dem Bankgeheimnis beschäftigt. An einem Hearing mit Stefan Hafner
konnten wir feststellen, dass das Schweizer Bankgeheimnis viel besser als sein
Ruf ist. Kaum ein Land hat mehr getan wie die Schweiz, um die Finanzströme aus
dem Ausland zu reglementieren. So titelte unlängst die Sonntagszeitung: "Das
Bankgeheimnis wird überflüssig – Statt Schwarzgeld gelangt vermehrt weisses Geld
in die Schweiz – Privatbanken leiden".
Dagegen ergibt sich beim Steuerrecht die Situation, dass durch die
Schweizerische Rechtssprechung doch beachtliche Gelder aus dem Ausland dem
dortigen Fiskus entgehen. Die unterschiedliche Rechtssprechung ermöglicht die
Steuerhinterziehung durch ausländischen Kunden, die ihr Geld in die Schweiz
transferieren und in ihrem Heimatland nicht angeben. Mit diesen Geldern
verbunden sind in der Schweiz so um die 5'000 bis 10'000 Arbeitsplätze, die bei
einer angepassten Rechtssprechung wegfallen könnten.
Das "Bilaterale II" sieht neu vor, dass Teile der Gewinne aus solchen
"steuerhinterzogenen" Geldern wieder an die Herkunftsländer der ausländischen
Kunden zurückfliessen, ohne dass die Identität der entsprechenden Kunden offen
gelegt wird. Besser als diese Lösung wäre sicher eine dem EU-Recht angepasste
Gesetzesrevision, welche die Steuerhinterziehung aus dem Ausland dank
Rechtshilfe weitgehend unterbinden würde. Arbeitsplatzerhalt um jeden Preis
halten wir dagegen für keine christlich vertretbare Lösung. Das Thema
"Interessenkonflikt: Arbeitsplatzerhalt und ethisches Handeln in der Wirtschaft"
wollen wir bei Gelegenheit noch ausführlicher aufnehmen.
Eingetragene Partnerschaft
Das Bundesgesetz über die eingetragene
Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare ist in der EMK umstritten. Die
Kirchenordnung und die Sozialen Grundsätze machen einen Unterschied zwischen
einerseits der gelebten Homosexualität in der Kirche und andererseits in der
Gesellschaft. In den Sozialen Grundsätzen steht: "Homosexuelle Menschen sind
vor Gott nicht weniger wert als heterosexuelle. Die einen wie die anderen
bedürfen in ihrem Ringen um menschliche Erfüllung der spirituellen und
emotionalen Fürsorge einer Gemeinschaft, die versöhnende Beziehungen der
Menschen mit Gott, mit anderen und mit sich selbst ermöglicht. Eine Mehrheit in
der Kirche interpretiert die Bibel so, dass sie die Ausübung der Homosexualität
nicht billigen kann. Unter diesen Umständen verzichten wir in unserer Kirche auf
besondere Feiern für homosexuelle Paare." (2.7 Menschliche Sexualität – In
der englischsprachigen Ausgabe von 2004 wird nicht unterschieden zwischen
Mehrheit und Minderheit, sondern festgehalten: "The United Methodist Church
does not condone the practice of homosexuality and consider this practice
incompatible with Christian teaching."). Bekennende oder praktizierende
Homosexuelle können in der EMK nicht Pfarrerinnen oder Pfarrer sein und
Segnungsfeiern von homosexuellen Paaren dürfen nicht durch Geistliche der EMK
durchgeführt oder in EMK-Kirchen vollzogen werden.
Demgegenüber halten die Sozialen Grundsätze im Blick auf Homosexualität in der
Gesellschaft fest: "…Wir bestehen darauf, dass weder das Alter eines Menschen
noch sein Geschlecht, weder sein Familienstand noch seine sexuelle Orientierung
ein Grund sein darf, seine Menschen- und Bürgerrechte einzuschränken. Wir wissen
uns daher zum Dienst an allen Menschen und mit allen Menschen verpflichtet."
(2.7. Menschliche Sexualität)
"Grundrechte und bürgerliche Freiheiten gehören
allen Menschen. Wir müssen dafür sorgen, dass sie auch homosexuellen Menschen
gewährt werden. Außerdem unterstützen wir alle Bemühungen, Gewalt und andere
Formen von Zwang gegenüber homosexuellen Personen zu beenden."
(2.9 Gleiche Rechte für alle Menschen ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung)
Gleichgeschlechtliche, lang andauernde Partnerschaften sind eine
gesellschaftliche Realität mit oder ohne Partnerschaftsgesetz. Auf der Basis der
Aussagen in den Sozialen Grundsätzen unterstützen wir die rechtliche Regelung
dieser Beziehung durch den Staat.
(Alle Aussagen zur Homosexualität aus den Sozialen Grundsätzen und dem Bock of
Discipline, der Kirchenordung, werden unter
http://kug.umc-europe.org/dokumente/homosexualitaet/
aufgelistet.)
2. Auswertung der Ziele
Mit folgenden Themen haben wir das
angestrebte Ziel erreicht, und beenden für den Moment die Weiterarbeit daran:
Toleranz, Bankgeheimnis und Steuerhinterziehung, Stammzellenforschung.
3. Anträge an die Jährliche Konferenz
keine
4. Neue Ziele
Die mit dem Referendum "Nein zur
Sonntagsarbeit!" erreichte Abstimmung über das Arbeitsgesetz wird uns im
nächsten Jahr beschäftigen. Einen Schwerpunkt setzen wollen wir bei der
christlichen Ethik in der Wirtschaft und Leistungsgesellschaft. |