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Investitionsethik
Übersetzt von Angelika Hunger
unter Beihilfe einer Dipl. Dolmetscherin
Original:
"Investment Ethics", in The Book of Resolutions of the United
Methodist Church 1996, Nashville Tennessee 1996, S. 462-466
Die
Evangelisch-methodistische
Kirche und die Kirchen, die ihr vorangingen, haben in ihrer
Geschichte immer wieder Zeugnis für die Gerechtigkeit der wirtschaftlichen
Ordnung abgelegt. John Wesley und die frühen Methodisten haben sich
beispielsweise energisch gegen den Sklavenhandel, Schmuggelei und
ausgesprochene Genusssucht eingesetzt. John Wesley weigerte sich sogar, Tee zu
trinken, weil dieser mit dem Sklavenhandel in Verbindung stand. Die sozialen
Bekenntnisse, die unsere Vorgängerkirchen seit 1908 vertraten, betonten den
Aspekt der sozialen Gerechtigkeit in der Welt der Wirtschaft und hierbei
insbesondere die Kinderarbeit und unmenschlich lange Arbeitszeiten.
In diesem Jahrhundert hat
unsere Kirche sich stets für angemessene Arbeitsbedingungen und das Recht auf
Organisationsfreiheit und Tarifverhandlungen eingesetzt und sich gegen
Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von Rasse, ethnischer Herkunft,
Geschlecht, Alter oder Behinderung stark gemacht. Unsere Tradition war von
jeher gegen kirchliche Investitionen in Unternehmen, die Alkohol- oder
Tabakerzeugnisse herstellen oder das Glückspiel fördern.
Seit den 60er Jahren haben
unsere Kirche und ihre Vorgängerinnen eine solide Grundlage erarbeitet, die
unsere ethischen Überzeugungen bei Investitionsentscheidungen widerspiegelt.
Behörden und Konferenzen der Evangelisch-methodistische Kirche haben gegen die
Herstellung von Napalm gekämpft und sich in Fragen der sozialen Gerechtigkeit
engagiert, die von religiösen Aktionären aufgebracht worden waren. Mitte der
70er Jahre begann der General Council on Finance and Administration (GCFA),
offizielle Richtlinien der sozialen Verantwortung bei allgemeinen kirchlichen
Investitionen zu erarbeiten.
Zwar hat uns das Thema der
wirtschaftlichen Sanktionen gegen das Apartheidsystem in Südafrika mehr
beschäftigt als alle anderen Themen. Doch Behörden, verbundene Institutionen,
Konferenzen, Gemeinden und einzelne Mitglieder der Evangelisch-methodistische
Kirche haben darüber hinaus den christlichen Blick auch auf Geschäfte im
Zusammenhang mit vielen anderen Themen gelenkt wie z.B. Diskriminierung in der
Arbeitswelt, Umweltschutz, Militarismus, die Herstellung nuklearer Waffen sowie
den Missbrauch von Säuglingsmilchprodukten.
Wir bekräftigen, dass alle
finanziellen Mittel der Kirche und ihrer Mitglieder von Gott gegebene
Ressourcen sind, die uns treuhänderisch zur Nutzung oder Anlage übertragen
wurden, und zwar auf eine Weise, die der Herrschaft Gottes auf Erden dienlich
ist.
Wir erkennen außerdem an,
dass jede Investition ethische Dimensionen hat. Finanzielle Investitionen haben
sowohl finanzpolitische als auch soziale Konsequenzen. Wir glauben, dass
soziale Gerechtigkeit und soziale Nützlichkeit ebenso wie finanzielle
Sicherheit und finanzieller Ertrag bei der Investition von Geldern durch
Vertretungen und verbundene Institutionen sowie Gemeinden und einzelne
Mitglieder der Evangelisch-methodistische Kirche eine Rolle spielen müssen.
Sozial verantwortliche Investitionen christlicher Institutionen und Einzelner
müssen diese beiden Seiten berücksichtigen.
Das Bekenntnis, das unsere
Kirche durch Investitionen/Kapitalanlagen ablegt, hat folgende drei Formen
angenommen, die untereinander kombinierbar sind:
-
Vermeidung
durch Vorenthaltung. Diese Politik
verbietet Investitionen in Unternehmungen, die Methoden oder Praktiken
anwenden, die moralisch so verwerflich sind, dass entsprechende Investitionen
von der Kirche nicht toleriert werden. Unsere Glaubensgemeinschaft hat
traditionell Investitionen in die Alkohol- und Tabakindustrie sowie in
Glückspieletablissements vermieden. Viele kirchliche Anleger haben sich
geweigert, in große militärische Auftragnehmer, Unternehmen mit Verträgen zur
Herstellung oder Lieferung nuklearer Waffen oder Unternehmen, die unter dem
Apartheid-Regime Geschäfte mit Südafrika abwickelten, zu investieren. In
einigen Fällen haben sie sich aus derartigen Unternehmen zurückgezogen und ihr
Verhalten in Form einer moralischen Aussage öffentlich bekannt gemacht.
-
Bevorzugte Wahl. Diese Strategie
besteht darin, Unternehmungen, in die investiert werden soll, bewusst auf der
Grundlage einer genauen Einschätzung der Rendite, sowohl was soziale Werte und
soziale Gerechtigkeit als auch was finanzielle Sicherheit und finanzielle
Gewinne angeht, auszuwählen. Für Anleger der Evangelisch-methodistische Kirche
zeigen die
"Sozialen
Grundsätze" und das
Book
of Resolutions die sozialen Ziele auf, die alle unsere
Investitionen fördern sollen. Mit bestätigenden Investitionen können wir jedoch
ein sehr konkretes soziales Ziel verfolgen wie z.B. den Bau erschwinglicher
Wohnungen, die Erneuerung eines bestimmten Stadtviertels oder die Förderung des
Unternehmertums für diejenigen, die traditionell davon ausgeschlossen waren.
-
Engagement
als Aktionär. Die Praktiken
der Unternehmen, in welche die Kirche investiert, entsprechen unter Umständen
nicht den moralischen Normen der
Sozialen
Grundsätzen und des
Book
of Resolutions. Verantwortliches christliches Investieren
beinhaltet auch den Versuch, Unternehmenspolitik zum Besseren zu verändern. Als
Aktionäre in Unternehmen haben christliche Investoren auf verschiedene Art und
Weise – von sanfter Überredungskunst bis hin zu öffentlichem Druck, vom Dialog
bis hin zu Stimmrechtsvollmachten - die Unternehmensführung dazu gebracht,
Entschließungen der Aktionäre aufzunehmen. In vielen Fällen hat sich dadurch
die Unternehmenspolitik geändert.
Unsere Politik und
ihre Umsetzung
-
Die Zielvorstellungen der
Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche, ihrer Behörden und der
von ihr geleiteten Organisationen sind folgende:
-
So viel wie möglich in Organisationen
zu investieren, die einen positiven Beitrag für die Gemeinschaft, die
Gesellschaft und die Umgebung leisten, auf die sie Einfluß haben, und die sich
für die Umsetzung der Ziele einsetzen, wie sie in den
Sozialen
Grundsätzen und dem
Book of Resolutions unserer Kirche dargelegt
sind.
-
Die folgende Kombination aus sozial
verantwortlichen Ansätzen, die zur wirtschaftlichen Gerechtigkeit und
unternehmerischen Verantwortung beitragen, anzuwenden:
-
Vermeidung durch Nichtkauf oder
Veräußerung von Beteiligungen an Unternehmen, die:
-
Tabakerzeugnisse oder alkoholische Getränke herstellen oder
Glückspieletablissements leiten oder besitzen oder hauptgeschäftlich die
Produktion, den Vertrieb oder Verkauf pornographischen Materials betreiben;
-
innerhalb der letzten drei Jahre
zu den Top-100-Auftragnehmern des Verteidigungsministeriums (Department of
Defense = DOD) zählten (also diejenigen, die das höchste Hauptkontraktvolumen
erhielten) und die DOD-Verträge in Höhe von mehr als 10% des Umsatzes im Falle
stimmberechtigter Wertpapiere und 5% des Umsatzes im Falle nicht
stimmberechtigter Wertpapiere haben; Der GCFA veröffentlicht jährlich eine Liste
der Top-100-DOD-Auftragnehmer.
-
Komponenten für nukleare Sprengkörper herstellen oder
-
chemisches oder biologisches Kriegswaffenmaterial herstellen.
-
Bevorzugte Investitionen in
Unternehmen, Banken, Fonds oder risikoreiche Unternehmen, die bestimmte, von
der Kirche als wichtig erkannte soziale Ziele verfolgen, also Unternehmen, die
z.B.:
-
Recycling und Verwendung von
Recyclingprodukten fördern;
-
gesetzliche Grenzwerte für giftige
Chemikalien, Lärm und Wassererwärmung einhalten;
-
keine chemischen Substanzen verkaufen,
die im Herkunftsland des Unternehmens selbst verboten sind;
-
in Wohnungen für Menschen mit
geringerem Einkommen investieren;
-
in Unternehmen investieren, die eine
positive Bilanz bei der Einstellung und Beförderung von Frauen oder Personen,
die aufgrund ihrer Rasse oder Herkunft benachteiligt sind, haben und
-
Unternehmen sind, die im Besitz von
Frauen oder Personen sind, die aufgrund ihrer Rasse oder Herkunft benachteiligt
werden.
-
Engagement als kritischer Aktionär, der
die Vertretung seiner Aktionärsrechte wahrnimmt, um Unternehmen zu überzeugen,
unverantwortliches Verhalten zu beenden oder einem hohen moralischen Standard
zu genügen, indem eine beliebige Kombination aus folgenden Ansätzen verfolgt
wird:
-
Anfrageschreiben
oder Darlegung des eigenen Standpunkts gegenüber der Geschäftsführung
-
Dialog mit der
Geschäftsführung
-
Stimmrechtsvollmachten
-
Bitte um Erteilung der
Stimmrechtsvollmacht in einer bestimmten Sache
-
bei den
Aktionärsversammlungen zu Abstimmentscheidungen auffordern oder sie mittragen
-
auf den
Aktionärsversammlungen das Wort ergreifen
-
gerichtliche
Schritte einleiten
-
Öffentlichkeitsarbeit
-
mit anderen
betroffenen Aktionären zusammenarbeiten
-
Petitionen zur
Änderung der Vollmachtsregelung bei der SEC (Securities and Exchange
Commission) oder dem Kongress einreichen
-
Den wirtschaftlichen Druck auf
Südafrika durch die Veräußerung von Beteiligungen und durch das Engagement als
Aktionär aufrecht zu erhalten und zu unterstützen, bis die Apartheid
abgeschafft wird und Menschen aller Rassen das Wahlrecht erhalten, oder bis die
unmittelbar betroffenen Vorkämpfer zu dem Schluss kommen, dass die Zeit für
eine Normalisierung der Beziehungen zu einem neuen Südafrika gekommen ist.
-
Möglichkeiten zu suchen, Unternehmen
öffentlich für ihr sozial verantwortliches Verhalten und für herausragende
Leistungen soziale Fragen betreffend, die Hauptanliegen der
Evangelisch-methodistische Kirche sind, zu empfehlen.
-
Den Einsatz von
Effektenportefeuille-Managern (Anlageberatern) und Investmentfonds in Betracht
zu ziehen, die sich auf Überprüfung von Unternehmen nach ihrer sozialen
Verantwortung spezialisiert haben.
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Das
Book
of Discipline überträgt dem
General
Council on Finance and Administration die Verantwortung für die
Erstellung und Verbreitung der Investitionsrichtlinien (Investment Guidelines),
die von allen allgemeinen Vertretungen, die allgemeine Kirchenmittel erhalten,
angewandt werden müssen, einschließlich der Richtlinien über soziale
Verantwortung. Der Rat überprüft und aktualisiert gegebenenfalls diese
Richtlinien in regelmäßigen Abständen und holt den Rat der Behörden und anderer
betroffener Teile der Kirche ein. Der Rat fördert die aktive Beteiligung
investierender Behörden am Überblick über sozial verantwortliche Investitionen,
wie sie in den vorliegenden Zielvorstellungen beschrieben werden.
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Alle Behörden der
Generalkonferenz, die allgemeine Kirchengelder erhalten, legen dem
General
Council on Finance and Administration eine Kopie ihrer
Investitionsmaßnahmen vor. Diese Kopie steht auf Anfrage allen interessierten
Mitgliedern der Kirche zur Verfügung.
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Diese Zielvorstellungen werden allen mit der Evangelisch-methodistische
Kirche verbundenen Institutionen und allen ihren Organisationen sowie den
Jährlichen Konferenzen und lokalen Kirchen und verbundenen Fonds oder Stiftungen
dringend nahe gelegt. Es wird ebenfalls empfohlen, eine Kopie ihrer
Investitionsrichtlinien über soziale Verantwortung auf Anfrage jedem Mitglied
der Evangelisch-methodistische Kirche zur Verfügung zu stellen.
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Sollten finanzielle Überlegungen die
unmittelbare Veräußerung von Wertpapieren verhindern, die zur Verletzung der
oben genannten Zielvorstellungen beitragen, so entwickeln die Ausschüsse,
Behörden und Institutionen der Evangelisch-methodistische Kirche einen Plan zur
Erfüllung der Kriterien, um spätestens bis zur Jährlichen Konferenz 1996 eine
Einhaltung durchzusetzen.
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Diese Zielvorstellungen werden außerdem
allen Kirchengliedern der Evangelisch-methodistische Kirche, die Geld anlegen,
und denjenigen, die finanzielle Dienstleistungen in Anspruch nehmen, nahe
gelegt.
Verabschiedet
1992
Bestätigt 1996
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