Verantwortlich Geld anlegen

1. Einführung

"Handle so, dass die Auswirkungen deines Tuns verträglich sind mit dem Fortbestand eines wirklich menschlichen Lebens auf Erden."

(Hans Jonas, Agenda Brot für alle/Fastenopfer 2000)

Zum gelebten Zeugnis unseres Glaubens gehört auch der Umgang mit dem Geld. Es geht nicht nur um die von John Wesley genannten drei Aspekte: "Erwirb, soviel du kannst; spare, soviel du kannst und gib, soviel du kannst." Heute sind immer mehr Menschen in der Lage, ihr Sparguthaben anzulegen. Nach welchen Kriterien entscheiden sie sich dabei? Es gilt zu bedenken: Die Finanzwelt ist Teil der Menschenwelt. Geld anlegen hat mit unserer Verantwortung gegenüber den Mitmenschen, den kommenden Generationen und der gesamten Schöpfung zu tun. Damit untersteht sie auch unserem Gewissen. Wir treten ein für mehr Gerechtigkeit, Solidarität, Frieden und bewahrenden Umgang mit der Umwelt. Mit diesen hier festgehaltenen Überlegungen möchten wir zu einer Geldanlage ermutigen, die diese Aspekte mit berücksichtigt.

 

2. Herausforderungen an verantwortliche Geldanlage

2.1.  Geldanlage kann nicht ausschliesslich nach wirtschaftlichen Überlegungen getätigt werden. Jeder Anleger muss sich auch die Frage stellen: Genügt mein Anlageentscheid ethischen und ökologischen Ansprüchen?

2.2.  Geldanlage ist kein Spiel. Sie steht unter dem Anspruch, dass dadurch Gutes gefördert und Gerechtes bewirkt, dagegen Unrechtes und Schädliches vermieden wird.

2.3.  Geldanlage steht in einem umfassenden Dienst für die Förderung des Lebens. Sie kann deshalb nicht nur im alleinigen Interesse des Anlegers stehen.

2.4.  Geldanlage ist geprägt von der Grundhaltung der Solidarität mit den Bedrängten und Armen. Sie versucht zur Überwindung von Armut und von politischer, wirtschaftlicher, rassischer und kultureller Abhängigkeit beizutragen.

2.5.  Geldanlage fördert umweltgerechtes Wirtschaften und vermindert Belastungen von Boden, Wasser und Luft.

 

3. Konkrete Hinweise für Anlageentscheide

3.1.  Geldanlage sollte bei Organisationen geschehen, die einen positiven Beitrag für die politischen Gemeinden, den Staat und die Welt leisten; bei denen eine Geschäftspolitik betrieben wird, die sich für Anliegen einsetzen, wie sie in den sozialen Grundsätzen unserer Kirche dargelegt sind.

3.2.   Deshalb sollten Anlagen bei Unternehmen vermieden werden, die

  1. dem christlichen Schöpfungsauftrag widersprechen

  2. Tabakerzeugnisse oder alkoholische Getränke herstellen, Glückspielunternehmen leiten oder besitzen oder die Produktion, den Vertrieb oder Verkauf pornographischen Materials betreiben

  3. bei denen wesentliche Produktionsanteile (mehr als 5% des jährlichen Bruttoumsatzes) aus Rüstungsgütern bestehen

  4. Teile für Atomwaffen herstellen

  5. chemisches oder biologisches Material für Kriegswaffen herstellen

  6. im Bereich der Gentechnik an wesentlichen Eingriffen in das Erbgut arbeiten.

3.3.    Anlagen sollten bevorzugt in Unternehmen, Banken, Fonds oder stärker risikobehafteten Unternehmen erfolgen, die bestimmte, von der Kirche als wichtig erkannte soziale Ziele verfolgen, also Unternehmen, die z. B.

  1. Recycling und Verwendung von Recyclingprodukten fördern

  2. gesetzliche Grenzwerte für giftige Chemikalien, Lärm und Energieerzeugung bis hin zur Wassererwärmung einhalten bzw. deutlich unterschreiten

  3. keine chemischen oder gentechnisch veränderten Substanzen verkaufen, die im Herkunftsland des Unternehmens selbst verboten sind

  4. in Wohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen investieren

  5. eine positive Bilanz bei der Einstellung und Beförderung von Menschen haben, die aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Rasse benachteiligt sind.

 

3.4.   Das Engagement des Investors
Jeder Geldanleger trägt ein Stück Verantwortung dafür, wie sein Geld eingesetzt wird. Deshalb gehört es zur Geldanlage, sich als Aktionär im Rahmen seiner Aktionärsrechte einzusetzen, um Unternehmen zu überzeugen, unverantwortliches Verhalten zu beenden und sich an christlich-ethischen Kriterien zu orientieren.

 

  1. Dies kann in folgender Weise geschehen:

  2. Schriftverkehr mit der Geschäftsführung über die Unternehmenspolitik und den eigenen Standpunkt

  3. Dialog mit der Geschäftsführung

  4. Stimmrechtsvollmachten und Bitte um Erteilung der Stimmrechtsvollmacht in einer bestimmten Sachfrage

  5. bei den Aktionärsversammlungen zu entsprechenden Entscheidungen auffordern oder sie mittragen

  6. auf den Aktionärsversammlungen das Wort ergreifen

  7. auf Änderung der Unternehmenssatzung hinarbeiten

  8. durch Öffentlichkeitsarbeit

  9. mit anderen betroffenen Aktionären/Aktionärinnen zusammenarbeiten

 

4. Weiterführende Informationen

  1. Die ‚sozialen Grundsätze‘ der EMK und entsprechende Resolutionen der Kirche gemäss "The Book of Resolutions"

  2. "Verantwortlich Geld anlegen". Herausgeber: Institut für Sozialethik, Justitia et Pax,  Brot für alle und Fastenopfer, Dezember 2000, ISBN 3-7229-6005-3

  3. "Ethisch-ökologische Geldanlagen in der Schweiz", Herausgeber: Erklärung von Bern und WWF. Bestelladresse: Erklärung von Bern, Postfach 1327 8031 Zürich, info@evb.ch.

 

© Copyright: Ausschuss für Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz/Frankreich (kug.umc-europe.org/) Verfasser: Martin Roth
Abdruck mit Quellenangabe erwünscht.

Weitere Hinweise


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