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Let’s wear fair! oder über den
Erfolg der Clean Clothes Campaign

Vor zwei Jahren hat der Ausschuss für Soziale Fragen die
Kampagne für gerecht produzierte Kleider (Clean Clothes Campaign) an der
Konferenz vorgestellt und zu konkreten Taten aufgerufen.
Was hat der Druck der Konsumentinnen und Konsumenten in
dieser Sache bewirkt? – Eine kleine Bilanz.
Vielleicht geht es Ihnen auch so wie mir: Jedes Mal, wenn
ich in der Ausverkaufszeit einen Vögele-Laden betrete, kommt so etwas wie ein
schlechtes Gewissen in mir hoch. Kann es wirklich sein, dass ein Paar Hosen
oder ein Pullover nur Fr. 9.90 kostet und jemand sogar noch daran verdient? Wo
und wie kann so billig produziert werden, dass das möglich ist?
Aber der Preis allein macht es ja nicht aus. Produkte von
Adidas, Nike oder anderen Markenfirmen, die wir teuer bezahlen, werden unter
ähnlichen oder gleichen Bedingungen produziert wie Billigware von anderen
Anbietern. Wo also kann ich noch ohne Gewissensbisse Kleider kaufen?
Die Ziele der Clean Clothes
Campaign
Vor zwei Jahren wurde in der Schweiz die europaweite
"Clean Clothes Campaign – für gerecht produzierte Kleider" lanciert.
Mit dieser Kampagne wollen verschiedene Organisationen der
Entwicklungszusammenarbeit mit Hilfe der Konsumentinnen und Konsumenten den
Druck auf die großen Markenfirmen und Großverteiler erhöhen, damit sich diese
an einen genau definierten Verhaltenskodex halten. Dieser Kodex der Clean
Clothes Campaign (CCC) beinhaltet unter anderem: Menschenwürdige
Arbeitsbedingungen, keine Kinderarbeit, Gewerkschaftsfreiheit und
existenzsichernde Löhne für die Arbeiterinnen und Arbeiter in der
Textilindustrie der Entwicklungsländer.
Auch der Ausschuss für soziale Fragen hat sich 1999 mit
diesen Fragen befasst und die Mitglieder der EMK um Unterstützung bei einer
Aktion der Clean Clothes Campaign gebeten. Aus ihren Reihen wurden Hunderte von
Postkarten an verschiedene Firmen verschickt mit der Aufforderung sich an den
Kodex zu halten, bzw. dessen Umsetzung auch zu kontrollieren. Bis im März 2000
sind insgesamt mehr als 48'000 Postkarten bei Modehäusern und Großverteilern
eingetroffen. Das breite Echo zeigt, dass es vielen ein Anliegen ist, gerecht
produzierte Kleider kaufen zu können.
Die
Pioniere
Aber nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten haben sich
engagiert. Neben der öffentlichen Kampagne haben engagierte Unternehmen und die
CCC darüber diskutiert, wie mit einem Verhaltenskodex und dessen Kontrolle die
Arbeitsbedingungen nachhaltig verbessert werden können. Die Bemühungen dieser
beiden Seiten führten dazu, dass sich die Firmen Mabrouc SA (Switcher), Migros
und Veillon SA verpflichtet haben, alle Forderungen des Kodex bei ihren Lieferanten
durchzusetzen und zu überwachen. Neben der firmeninternen Überwachung verlangt
die CCC aber auch eine unabhängige Kontrolle. Die drei Firmen starteten darum
zusammen mit der CCC Mitte 2000 ein Pilotprojekt für eine unabhängige
Kontrollstelle in zwei asiatischen Produktionsländern. Dieses Pilotprojekt
dauert von Herbst 2000 bis Frühling 2002.
Es
gibt noch viel zu tun
Trotz dieser relativ schnellen Erfolge bleibt noch viel zu
tun. Ende letzten Jahres erregte ein Bericht des Kassensturz über Kinderarbeit
bei Lieferantenfirmen von Vögele und Jumbo Aufsehen. Auch in diesem Fall haben
Konsumentinnen und Konsumenten kritische Fragen an die beiden Firmen gestellt.
Umgehend haben die Unternehmungen versprochen ihre Verantwortung wahrzunehmen,
notwendige Maßnahmen zu treffen und Kontrollen durchzuführen.
Das aktuellste Beispiel betrifft den Wäschehersteller
Triumph International. Letztes Jahr eskalierte ein Arbeitskonflikt auf den
Philippinen. Weil der Konzern Löhne bezahlt, die nicht einmal die minimalen
Lebenshaltungskosten decken, wurde gestreikt. Trotz der Beschwerdebriefe der
CCC wurden sämtliche Mitglieder der Gewerkschaftsführung entlassen und die
Arbeitsbedingungen haben sich nicht verbessert.
Ein weiterer Produktionsstandort der Firma ist Burma. Das
dort herrschende Militärregime finanziert mit den Exporterlösen seinen
Unterdrückungsapparat. Zwangsarbeit und gravierende Menschenrechtsverletzungen
sind in diesem Land an der Tagesordnung. Der Bundesrat und die UNO haben
deshalb Sanktionen gegen Burma verhängt. Trotzdem hält das Unternehmen am
Produktionsstandort Burma fest.
Die
Macht der Konsumentinnen und Konsumenten
Damit der Druck auf die Modehäuser aufrecht erhalten wird
und auch neue Firmen angesprochen werden können, fordert die Clean Clothes
Campaign die Konsumentinnen und Konsumenten weiterhin auf, ihre Macht zu
nutzen. Denn Markenfirmen und Großverteiler achten auf ihren guten Ruf.
Laufende Kampagnen in anderen Ländern zeigen, dass der Druck wirkt. Nike,
Levi’s oder H&M haben begriffen, dass die Kundschaft konkrete Schritte bei
der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie sehen will.
Die Kampagne ruft nicht zum Boykott auf. Dieses Druckmittel ist oft
kontraproduktiv. Denn was nützt es den Näherinnen, wenn sie fristlos entlassen
werden, weil der Großverteiler nichts mehr absetzen kann oder ganz einfach den
Produzenten wechselt. Das Druckmittel auf die Modebranche ist die Stimme der
Konsumentinnen und Konsumenten.
Was
können Sie persönlich unternehmen?
Schicken
Sie jenen Firmen E-Mails, Postkarten oder Petitionen bei denen Sie gerne
einkaufen.
Intervenieren Sie in einem aktuellen Fall, z.B.
Triumph International mit Sitz in Zurzach
Schreiben sie einen persönlichen Brief an die Geschäftsleitung oder
bestellen Sie eine Protestkarte unter +41 (01) 277 70 00
- Schicken
Sie ein E-Mail an die Firmen
Stellen sie den Firmen gezielte Fragen in persönlichen Briefen.
- Bestellen
Sie Petitionen
Sammeln Sie Unterschriften bei Veranstaltungen und Standaktionen.
Weitere
Informationen erhalten Sie bei:
Clean
Clothes Campaign
C/o Erklärung von Bern
Postfach
CH-8031 Zürich
oder im
Internet auf www.cleanclothes.ch.
Auf dass
Sie eines Tages Ihre Kleider überall und ohne schlechtes Gewissen kaufen
können!
von Liliane Banholzer, Ausschuss für
Soziale Fragen der Evangelisch-methodistischen Kirche Schweiz/Frankreich |